Zwei Tage im Zeichen von Versorgung, Innovation und konkreter Umsetzung
Zwei Tage, zahlreiche Perspektiven und zwei zentrale Fragen: Wie sieht die Gesundheitsversorgung von morgen aus â und vor allem: Wie kommen wir von guten Ideen ins konkrete Tun? Beim Symposium âZukunft kuMULativâ der MUL â CT standen am 1. und 2. Oktober 2026 nicht mehr nur Ideen im Mittelpunkt â es ging um konkrete Schritte. Von neuen Versorgungsstrukturen und der Modellregion Gesundheit Lausitz bis hin zu Forschung, Digitalisierung und KĂŒnstlicher Intelligenz.
âAus der Vision folgt die Umsetzung.â Mit diesem Gedanken eröffnete Prof. Dr. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender und gleichzeitig Vorsitzender des Innovations- und Netzwerkrats der Modellregion Gesundheit Lausitz, die Veranstaltung. Die Erwartungen an die neue UniversitĂ€tsmedizin und die Modellregion seien hoch: Die Menschen in der Lausitz erwarteten Lösungen, die fĂŒr ihr Leben funktionieren.
Genau hier setzt âZukunft kuMULativâ an. Nach dem erfolgreichen Auftakt im letzten Jahr rĂŒckte die zweite Auflage nun die Frage in den Mittelpunkt, wie VerĂ€nderung tatsĂ€chlich gelingen kann â und welche Rahmenbedingungen, Partnerschaften und neuen Formen der Zusammenarbeit dafĂŒr notwendig sind.
VerÀnderung gelingt nur gemeinsam
Dass VerĂ€nderung in der Lausitz lĂ€ngst begonnen hat, wurde bereits zum Auftakt im letzten Jahr deutlich. Cottbus entwickelt sich, die UniversitĂ€tsmedizin wĂ€chst und im Oktober starteten rund 100 neue Mitarbeitende an der MUL â CT. Gleichzeitig sind die Erwartungen hoch. Die zweite Auflage rĂŒckte nun die Frage in den Mittelpunkt, wie VerĂ€nderung tatsĂ€chlich gelingen kann â und welche Rahmenbedingungen, Partnerschaften und neuen Formen der Zusammenarbeit dafĂŒr notwendig sind.
Doreen Mohaupt, BĂŒrgermeisterin und Dezernentin fĂŒr Stadtentwicklung der Stadt Cottbus, verwies auf die Dimension des GroĂprojekts UniversitĂ€tsmedizin. Bis neue GebĂ€ude entstehen und VerĂ€nderungen sichtbar werden, brauche es Zeit. Das bedeute aber nicht, dass die Region untĂ€tig sei: Bei der Sicherung der ambulanten Versorgung laufen bereits konkrete AktivitĂ€ten â unter anderem mit einer Ăbergangslösung fĂŒr allgemeinmedizinische Praxen und der Markterkundung fĂŒr ein PrimĂ€rversorgungszentrum.
Auch die KassenĂ€rztliche Vereinigung Brandenburg steht bereit. Catrin Steiniger, Vorstandsvorsitzende der KV Brandenburg, betonte: Die ersten 36 Studierenden der MUL â CT werden bereits in der Region erwartet â und sie werden dringend gebraucht. Gleichzeitig mĂŒsse die Zusammenarbeit zwischen UniversitĂ€t, Klinikum und niedergelassenen Ărztinnen und Ărzten von Anfang an funktionieren.
âZukunft entscheidet sich nicht allein im Hörsaalâ, sagte Steiniger. Das gilt auch fĂŒr die groĂen Reformen im Gesundheitswesen. Brandenburgs Gesundheitsminister RenĂ© Wilke beschrieb die aktuelle Situation als herausfordernd â aber voller Möglichkeiten. Krankenhausreform, PrimĂ€rversorgung, Patientensteuerung und neue VergĂŒtungsmodelle verĂ€ndern gewohnte Strukturen. Die entscheidende Frage sei, wie diese VerĂ€nderungen fĂŒr die jeweilige Region sinnvoll genutzt werden können.
Oder, wie es Wilke formulierte: Nicht eine Schablone ĂŒber das ganze Land legen, sondern Lösungen entwickeln, die vor Ort funktionieren.
Vom Gesundheitsdialog zur neuen Versorgung
Wie VerĂ€nderung vor Ort gelingen kann, zeigte der Themenschwerpunkt zur Modellregion Gesundheit Lausitz. Die bisherigen Gesundheitsdialoge liefern dafĂŒr wichtige Erkenntnisse: Die Menschen in der Region mĂŒssen nicht nur informiert, sondern aktiv einbezogen werden.
Jetzt geht es darum, daraus konkrete Angebote zu entwickeln. Ein Beispiel sind PrimÀrversorgungszentren (PVZ). Sie können vorhandene Strukturen vernetzen, Versorgung neu organisieren und den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern.
Gleichzeitig soll die Modellregion zum Ort werden, an dem neue Lösungen wissenschaftlich begleitet und unter realen Bedingungen erprobt werden. Versorgungsforschung, Digitalisierung und Gesundheitssystemforschung greifen dabei ineinander. Die Idee: ausprobieren, messen, lernen â und erfolgreiche Lösungen weitertragen.
KI muss Versorgung besser machen
Nach einer BegrĂŒĂung vom Digitalisierungsvorstand Martin Peuker, drehte sich am zweiten Tag vieles um die Frage, wie KĂŒnstliche Intelligenz die Gesundheitsversorgung konkret verbessern kann. Prof. Dr. Jochen Klucken von der UniversitĂ€t Luxemburg machte deutlich: Die Entwicklung schreitet so schnell voran, dass niemand genau sagen kann, was morgen möglich sein wird. Umso wichtiger sei es, die Entwicklung jetzt aktiv zu gestalten.
KI kann schon heute bei Diagnostik, Prognose, Dokumentation, Patientensteuerung und PrĂ€vention unterstĂŒtzen. Entscheidend ist dabei nicht die Technologie selbst, sondern ihr konkreter Nutzen fĂŒr Patientinnen und Patienten und fĂŒr die BeschĂ€ftigten im Gesundheitswesen. DafĂŒr braucht es strukturierte und interoperable Daten, sichere Infrastrukturen und vor allem die Möglichkeit, neue Anwendungen unter realen Bedingungen zu erproben.
Wie wichtig dieser Blick auf die eigene Versorgung ist, machte auch Mary Osborne, KI- und NLP-Expertin, Senior Product Managerin bei SAS und Lecturing Fellow fĂŒr Computational Linguistics an der Duke University, deutlich. Ihre Botschaft: KI-Tools, die in einem anderen Land, einem anderen Gesundheitssystem funktionieren, können nicht automatisch auf die Lausitz adaptiert werden. Erst wenn es mit den eigenen Daten und unter den eigenen Bedingungen getestet wurde, weiĂ man, ob man ihm tatsĂ€chlich vertrauen kann.
Auch fĂŒr die Modellregion Gesundheit Lausitz stellt sich deshalb nicht die Frage, was KI alles kann â entscheidend ist, wo sie nachweislich Versorgung verbessert. Denkbar sind Anwendungen entlang der gesamten Versorgungskette â von der PrimĂ€rversorgung ĂŒber die Patientensteuerung bis hin zu PrĂ€vention und digitaler UnterstĂŒtzung. Gemeinsam mit Partnern sollen Lösungen dort eingesetzt werden, wo sie Patientinnen und Patienten und BeschĂ€ftigte tatsĂ€chlich entlasten und die Versorgung verbessern.
âZukunft kuMULativâ hat damit einen klaren roten Faden sichtbar gemacht: Die Lausitz soll neue Technologien nicht einfach ĂŒbernehmen, sondern gemeinsam erproben, was die Versorgung wirklich besser macht.