Die MGOBB gibt dem Nachwuchs eine Bühne

Wissenschaft hat in Cottbus Tradition – und braucht zugleich immer wieder neue Impulse. Am 21. Oktober 2026 hat die Medizinische Gesellschaft Ostbrandenburg e. V. (MGOBB) mit dem ersten „Jungen Forum für Wissenschaft“ an der MUL – CT ein neues Format ins Leben gerufen. Im Hörsaal von Haus 33 präsentierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in kurzen Pitches ihre aktuellen Forschungsprojekte, kamen mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch und machten sichtbar, welche Ideen die Medizin und die Gesundheitsversorgung von morgen prägen könnten.
Fünf Minuten, eine Idee, eine Bühne
Unter diesem Leitgedanken stand der wissenschaftliche Wettbewerb, bei dem aktuelle Promotionsvorhaben und innovative Forschungsprojekte in kurzen, prägnanten Präsentationen vorgestellt wurden. Im Mittelpunkt standen abgeschlossene Promotionsprojekte sowie begonnene Promotionsvorhaben aus Medizin, Pflege, Therapie und Gesundheitswissenschaften. Ziel war es, Forschung verständlich und anschaulich zu vermitteln, neue Perspektiven aufzuzeigen und den Austausch über Fach- und Berufsgrenzen hinweg zu fördern.
Auszeichnung für innovative Forschung
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die erstmalige Vergabe des Josef-Horntrich-Preises und des MGOBB-Jurypreises. Mit dem Josef-Horntrich-Preis, dotiert mit 500 Euro, wurde Anna Schiller für ihre Arbeit: Dem Morbus Crohn auf der Spur ausgezeichnet. Der mit 200 Euro dotierte MGOBB-Jurypreis ging an Valeria Arsenova für die Arbeit mit dem Thema: Inzidenz, Schweregrad und Therapie gastrointestinaler Läsionen durch Anwendung von transösophagealer Echokardiographie (TEE) bei kathetergestützten Herzklappeneingriffen.
Die Auszeichnungen würdigen nicht nur die wissenschaftliche Arbeit der Teilnehmenden, sondern unterstreichen auch den Stellenwert innovativer Forschung und interprofessioneller Zusammenarbeit. Denn viele Fragestellungen im Gesundheitswesen lassen sich nur gemeinsam beantworten – durch den Austausch unterschiedlicher Fachrichtungen und Gesundheitsberufe.
Eine Idee mit langer Geschichte
Was dabei nach einem neuen Format klingt, hat eigentlich ziemlich alte Wurzeln: Denn die Medizinische Gesellschaft Ostbrandenburg e. V. (MGOBB) bringt medizinisches Wissen und die Menschen dahinter schon seit Jahrzehnten zusammen. Die Geschichte reicht zurück bis in die unmittelbare Nachkriegszeit – bereits 1947 fand in Cottbus die erste wissenschaftliche medizinische Tagung statt, organisiert vom niedergelassenen Arzt Dr. Sasse und genehmigt durch den sowjetischen Stadtkommandanten. Hauptredner war damals kein Geringerer als Professor Dr. Theodor Brugsch von der Berliner Charité.
Über die Jahrzehnte änderte die Gesellschaft mehrfach ihren Namen, ihr organisatorisches Umfeld und natürlich auch die Medizin selbst. Geblieben ist aber die Idee dahinter: Wissen soll nicht in einzelnen Fachgebieten oder Einrichtungen bleiben, sondern zusammengebracht, diskutiert und in die Praxis getragen werden. Schon früh entstand die Tradition regelmäßiger wissenschaftlicher Veranstaltungen in Cottbus und Frankfurt (Oder). Heute zählt die MGOBB rund 270 Ärztinnen und Ärzte zu ihren Mitgliedern. Nach Dr. G. Haring und PD Dr. R. Kube steht seit 2022 Dr. med. A. Herwig an der Spitze der Gesellschaft.
Zu ihren Zielen gehören bis heute die Förderung medizinischer Wissenschaft, fachübergreifende Information, interdisziplinäre Zusammenarbeit und vor allem die schnelle Überführung neuer Forschungsergebnisse in die medizinische Praxis. Auch die Förderung junger Ärztinnen und Ärzte gehört ausdrücklich zum Selbstverständnis der Gesellschaft.
„Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist für uns als Medizinische Gesellschaft ein wichtiges Anliegen, denn innovative Forschung lebt davon, dass junge Menschen ihre Ideen entwickeln, kritisch diskutieren und mit anderen Fachrichtungen und Berufsgruppen in den Austausch bringen können. Mit dem Jungen Forum für Wissenschaft möchten wir ihnen die Möglichkeit geben, ihre Arbeit sichtbar zu machen, neue Impulse für ihre Projekte mitzunehmen und frühzeitig Kontakte zu knüpfen, aus denen langfristige Kooperationen entstehen können. Gerade an einer jungen Universität wie der MUL – CT bietet sich die Chance, eine lebendige, interprofessionelle Forschungskultur mitzugestalten und wissenschaftliche Erkenntnisse gemeinsam in die medizinische Praxis zu überführen“, erklärt Dr. med. Antje Herwig, 1. Vorsitzende der MGOBB und Leitende Oberärztin der Neurologischen Klinik an der MUL – CT.
Damit schlägt das Junge Forum für Wissenschaft eine Brücke zwischen der langjährigen Tradition der MGOBB und der Zukunft der medizinischen Forschung an der MUL – CT – und schafft einen Raum, in dem aus ersten Ideen neue Perspektiven, fachübergreifende Kooperationen und Impulse für die Gesundheitsversorgung von morgen entstehen können.